Als mein Partner vor sechs Jahren die Diagnose bekam, habe ich zuerst alles gelesen, was ich finden konnte. Meistens stand da, was er braucht. Selten, was mit mir passiert.
Die ersten zwei Jahre habe ich durchgehalten. Ich habe Arzttermine organisiert, Krisen aufgefangen, bei der Arbeit so getan, als sei alles normal. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich abends nicht mehr weinen konnte, aber auch nicht mehr lachen. Ich war einfach da — funktional, aber leer.
Der Wendepunkt war kein grosser Moment. Ich habe bei der Fachstelle angerufen, ohne genau zu wissen, was ich sagen wollte. Die Frau am Telefon hat mir nicht erklärt, was bipolare Störung ist. Sie hat gefragt, wie es mir geht. Das war das Erste, was geholfen hat.
Heute ist es nicht einfach. Aber ich kenne den Unterschied zwischen seinen Episoden und meiner Erschöpfung. Ich weiss, wann ich Hilfe brauche und wann er sie braucht. Und ich weiss, dass beides gleichzeitig gelten darf.

